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Crypto-Krieg

Nachdem erst der britische Premier rumgetönt hat, dass es doch nicht sein könne(!), dass es unabhörbare Kommunikation gäbe, dem dann der Friedensnobama zugestimmt hat, hat sich nun auch der Bundesinnenterrorist gleichlautend geäußert. Was ich noch von keinem der drei Lautsprecher vernommen habe: Wie soll das gehen, dass im besonderen Besondersfall die Schnüffeldienste im Namen der Sicherheit auf einmal Kommunikation mithören oder -lesen können sollen?

Eine Möglichkeit wäre, dass jegliche verschlüsselte Kommunikation verboten wäre (Analogie aus der analogen Welt: Haustürschlösser werden verboten). Das ist so offensichtlich unsinnig, dass selbst den Lautsprechern auffallen dürfte, dass das nicht nur nicht durchsetzbar ist (wenn Verschlüsselung kriminell sein soll, haben nur Kriminelle Verschlüsselung), auch noch Daten von Unbeteiligten gefährdet (weil dann ja auch keine Verschlüsselung für Gesundheits- oder Bankdaten mehr genutzt werden kann).

Die andere Möglichkeit, die bereits früher mal aufkam: Key Escrow. Dabei verlangt der Staat, dass für alle verschlüsselte Kommunikation bei ihm ein Schlüssel hinterlegt werden muss, mit dem eben die Verschlüsselung geöffnet werden kann (Analogie wieder: Die Polizei hat für jede Tür einen Zweitschlüssel). Auch das ist (ebenfalls offensichtlich) nicht durchsetzbar, oder erwartet irgend jjemand ernsthaft, dass Karl De Kriminele ausgerechnet der Polizei seine Kommunikation mitzulesen erlaubt? Mal ganz davon abgesehen, dass der Vorrat an Zweitschlüsseln natürlich ein extrem attraktives Ziel für schattige Gestalten aller Herkünfte darstellt.

Die dritte Option, die der Herr Innenterror vertont, klingt so, als glaubte er, dass man nur genügend Geld auf Entschlüsselung werfen müsste, dann wäre das Problem schon keins mehr (Analogie: Es gibt keine unknackbaren Schlösser, es ist nur eine Frage von Aufwand und Hilfsmitteln, ein Schloss zu öffnen). Dummerweise für den Herrn Terroristen schreitet die Suche nach neuen, noch schwerer zu knackenden Algorhithmen auch voran, so dass der Punkt, an dem absolut alle Verschlüsselung trivial geöffnet werden kann, hoffentlich nie eintritt. Mal ganz davon abgesehen, dass mafiöse Organisationen natürlich ein eigenes Interesse daran haben, ihre Kommunikation möglichst schwer abhörbar zu machen, und damit immer noch schwerer abzuhören sind als unbescholtene Bürger, an denen ja angeblich die Polizei gar kein Interesse hätte.

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Kommentare

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Michael Karl Popper am :

Es war ja klar, dass sich irgendein Depp findet, der Geheimhaltung für verwerflich hält. Dass es gleich eine ganze Horde Deppen wird, überrascht mich auch nicht. Allerdings würde mich mal interessieren, ob einer davon auch für ACTA war - und dafür, dass das ein Geheim-Abkommen wird...

Ich finde ich, man sollte die Diskussion breiter ansetzen. Es gibt da etliche andere "Technologien", die man auch mal auf den Prüfstand stellen sollte:
* Autos
Meines Wissens sind noch keine Menschen durch Kryptographie getötet worden, aber Autos ... Pfui, bah! Und wenn man erst an die ach so populären Auto-Bomben denkt ... wer würde da noch behaupten wollen, Autos wären nicht in erster Linie Massenvernichtungswaffen?
Unser Bundesverkehrs-Trottel wird sich dem sicher begeistert anschließen.
* Briefgeheimnis
Eigentlich ja ganz ähnlich wie Kryptographie. (Ich bitte aber vom Verbot von Briefumschlägen abzusehen - die sind einfach wahnsinnig praktisch, wenn man mal keine Büroklammer zur Hand hat.) Es reicht vollkommen, darauf zu bestehen, dass jeder Polizist, Staatsanwalt, Geheim-Fuzzi ... - ach, sagen wir einfach: Jeder, der für den Staat arbeitet - Briefe nach Belieben öffnen darf.
* Telefon u.ä.
Geht in dieselbe Richtung: Es kann doch nicht sein, dass es eine unbeaufsichtigte Kommunikation gibt... Ich meine, die Geheimdienste sind doch ersichtlich damit überfordert, das alles zu im Hintergrund überwachen, und die einfachste Methode, diese Arbeit zu verringern, ist doch, diese potenziell kriminellen Aktionen zu unterbinden. Was in dem Falle sogar relativ einfach ist: Es gibt ja nur eine handvoll Netzbetreiber; denen kann man den Betrieb einfach untersagen!
* Rohre
Neben Autobomben sind schließlich auch Rohrbomben bei Terroristen beliebte Waffen.
* Selbstmord
Weil: Überproportional viele Attentate werden von Selbstmördern verübt.
Ach, das ist schon verboten? Nun, was rät der Politiker-Instinkt uns da? Richtig: Dann muss man da wohl strenger kontrollieren. Und das Strafmaß erhöhen.

Ich denke, die Liste ließe sich leicht fortsetzen. Liebe Leute, wir leben nun mal im 21. Jahrhundert - und nicht mehr im Zeitalter der Aufklärung, wo es noch en vogue war, richtig zu denken.

Muss ich noch erklären, was hiervon ernst gemeint war? Ich denke nicht: Wer einen gesunden Menschenverstand hat, wird's erkennen und der Rest ... dem kann ich auch nicht helfen.

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