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Mafpagne

Erinnert ihr euch an die VG Mafia, oh, sorry. Die nennt sich öffentlich die Verwertungsgesellschaft Media. Die hat die Springer-Mafia vor ein paar Jahren übernommen, um so ihre Lügenschutzgeldforderungen einzutreiben. Von der VG Mafia also hatte Netzpolitik kürzlich ein Papier zur Lobbystrategie an die Öffentlichkeit gezerrt. Lustig wurde es, als mir dann Anfang der Woche in den Nachrichten Propagandasprüche aus dem Papier in den Nachrichten entgegenfielen und dabei nicht als 'Propaganda der Lügenschutzgeld-Mafia' betitelt waren, sondern so taten, als handele es sich um berechtigte, wohldurchdachte Diskussionspositionen interessierter Wirtschaftsvertreter.

Der VG Mafia ist dann irgendwie mitgeteilt worden, dass ihre Propaganda aufgeflogen ist, und sie schwurbelt als Reaktion rum, so wäre das ja gar nicht gemeint gewesen. Doch. Genau so war es gemeint. Bloß blöd, dass eure Lügen dieses Mal schon vorher geleakt sind. Ich bedanke mich dann auch mal bei der Quelle, die Netzpolitik die Informationen hat zukommen lassen.

Depublende

Zur Abwechselung gibt es mal erbauliche Meldungen aus der Mafia: Und zwar war am Freitag Treffen der Ministerpräsidenten der Länder, die das völlig staatsferne ÖR-Programm mit Gesetzen in Form eines Bundeseinheitlichen Staatsvertrags steuern. Die Verleger hatten vor einigen jahren rumgeheult, dass die Öffentlich-Rechtlichen so ein großes Problem für sie wären, und dafür lobbyiert, dass die Sender gefälligst Downloadangebote nur zeitlich begrenzt zur Verfügung stellen dürfen. Danach müssen die fertigen Sendungen aus dem Netz verschwinden (depubliziert werden), weil Verleger ja keine neuen Texte veröffentlichen können, wenn man sich alte Radio- oder Fernsehsendungen noch ansehen und hören kann. Oder so.

Die Ministerpräsidenten haben dazu nun also beschlossen, dass das weg kann, oder zumindest weniger hart eingestellt. Denn inzwischen behaupten selbst die Verleger nicht mehr, dass sie darunter leiden würden, dass ÖR-Archive im Netz zugänglich sein könnten. Ja, ich bin auch total überrascht, dass Verleger unwahre Behauptungen aufstellen könnten. Die sagen doch sonst immer die Wahrheit... 

Ich wage dann mal die Frage zu formulieren, ob die Verleger, die die bescheuerte Löschungsorgien bestellt haben, davon auch etwas bezahlt haben. Ich vermute mal nein.

Das heißt nun nicht, dass ich die Öffis von Kritik ausnehmen wollte, alleine die extrem einseitige Berichterstattung über Katalonien in zumindest der Tagesschau fällt für mich nicht unter Journalistisch gerechtfertigt. Aber Verleger, die da auch noch reinpolitisieren wollen (siehe das Gerede vom Staatsfunk der Content-Mafiosi), das geht auch nicht an.

Klaleger

Neue, dumme Idee der Verleger: Die haben den RBB verklagt, weil auf dessen Webseite etwas zu finden wäre, was man auch auf den Webseiten ihrer eigenen Erzeugnisse finden kann: Nachrichten. Und deswegen sei die Seite "presseähnlich". Was auch immer das sein soll. Das idiotische Spiel mit "presseähnlichen" Veröffentlichungen der Öffentlich-rechtlichen Sender spielen die Verleger ja schon länger (erinnert sich noch jemand an die Tagesschau-App, die verboten wurde, weil Ausdrucke der App von einem Tag "presseähnlich" gewesen seien?). Dass sie damit ein ernsthaftes Geschäftsmodell hätten, behaupten ja nicht mal die Verleger.

Wenn die mir endlich mal den Gefallen tun würden, pleite zu gehen. Das wäre nett.

Lügenleger

Der Zeitungsverlegerverband lässt ausrichten, ein Lügenschutzrecht nach Oettinger, also mit ganz viel ohne Ausnahme würde Links doch nicht verunmöglichen. Und man wisse gar nicht, warum das jemand sagen würde. Nun, hoch ehrlose Verlügervertreter: Vielleicht liegt das daran, dass ihre Mitglieder dank gesteigertem SEO Links ohne Worte verunmöglichen, aber die ausnahmslose Anwendung des Lügenschutzrechts gerade jede Nutzung eines exklusiv von einem Verleger verwerteten Wortes mit einer Zahlungspflicht verbinden dürfte. Oder wollen Sie, unehrenhafte Lobbyisten, die völlig faktenfern behaupten, Suchmaschinen würden sich an ihrem sogenannten "Content" bereichern, etwa anderen Leuten vorschreiben, welche Fakten für die zu gelten hätten?

Mal so ganz unter uns: Google wird natürlich nie dafür zahlen, dass Werbebegucker auf Webseiten geschickt werden. Das hätte man nach dem belgischen Gerichtsurteil von vor mehreren Jahren wissen können, als Google die dortigen Verleger aus dem Index gekickt hat, und die erst wieder aufgenommen hat, als die juristisch sauber versichert haben, dass sie keine zahlungen verlangen würden. Das konnte man in Deutschland nach dem bescheuerten Lex Springer erkennen, wo Google sich versichern lassen hat, für Links nicht zahlen zu müssen. Als Springer die "wiederrufliche Gratiseinwilligung" für einige Webseiten nicht geben wollte, tauchten deren Seiten im News-Index ohne Text und Bilder, und natürlich auch getrennt von anderen Meldungen zum gleichen Thema auf. Und dann konnte man auch aus Spanien lernen. Da hatte die Content-MAfia sich ein Lügenschutzrecht erlobbyiert, in dem niemand kostenlos verlinken dürfen sollte. Google hat daraufhin das News-Angebot in Spanisch abgeschaltet. So, liebe Verlüger: Wem macht ihr jetzt noch was vor? Und warum?

Lüginger

Neues vom Lügenschutzgeld: Bekanntlich will der nach Brüssel entsorgte Oettinger ja für die ganze EU das Lügenschutzgeld, was in Deutschland und Spanien bereits krachend gescheitert ist. Und als Reaktion auf die Wortmeldungen der vielen Verlags-Onliner, die zuletzt mit Statistiken unterlegt gezeigt haben, warum es eine bescheuerte Idee wäre, Suchmaschinen (namentlich die mit den mehreren Vokalen hintereinander) vom Verlinken abzubringen, als Reaktion darauf faselt Oettinger, dass er auf die nicht hören will, sondern lieber die Verlegerverbände und ihre Lobbyisten anhört. Die schon beim deutschen Lügenschutzgeld mit Häufungen von Unwahrheiten auffielen. Oder anders ausgedrückt: "Belästigen Sie mich nicht mit Tatsachen, die meinem Glauben widersprechen würden".

Da weiß man, was man hat. Beziehungsweise dank dann drohender Link-Steuer eben nicht mehr hat. Aber dazu ließ der Herr Münchhausen Oettinger wissen, es werde irgendwie keine Link-Steuer geben. Man darf dann vermutlich nur für jeden Link bezahlen.

Und ich lerne daraus, dass es eine blöde Idee war, den ausgemusterten Politiker in Brüssel endzulagern. Der strahlt da gefährlich.

Fotoklag

Copyright ist schwer. Das haben wir erst neulich gesehen, als vor Gericht rauskam, dass der Musikverlag, der ständig Geld für 'Happy Birthday' eingesammelt hat, nie die Rechte an dem Lied-mit-Text erworben hat. Da konnte sich nur kein Urheber mehr melden, weil die alle schon seit vielen Jahren tot waren.

Nun gibt es eine neue Geschichte, die juristisch knuspriger sein könnte. Und zwar hat die US-Bildverwertungs-Firma Getty Images eine US-Fotografin Carol M. Highsmith zur Zahlung von Lizenzgebühren für Fotos aufgefordert, die sie auf ihrer Webseite angezeigt hat. So weit, so langweilig. Interessant wird es, wenn man sich mal ansieht, wer die Fotos gemacht hat: Eben jene Carol M. Highsmith. Und die hat die Rechte an den Bildern auch nicht jemandem verkauft, sondern die Bilder der Library of Congress gespendet, auf dass diese der Allgemeinheit, der Public Domain kostenfrei zur Verfügung stehen mögen. Und für diese Bilder maßt sich Getty Images nun an, Geld verlangen zu dürfen. Reaktion von Carol Highsmith: Sie verklagt dann mal Getty Images, weil es erstmal nicht angeht, dass die Geld einsammeln für Bilder, an denen sie unmöglich Rechte legal erworben haben können. Und wir kennen ja die US-Schadensersatz-Forderungen. Die Schadensersatz-Forderung beläuft sich mal eben auf eine lockere Milliarde Dollar. Man darf ja mal davon ausgehen, dass die konkreten Bilder, für die Getty gerade von deren Macherin Geld verlangt nicht die einzigen sind, bei denen die Firma sich Rechte anmaßt, die sie nie hatte. Das wiederum erinnert mich dann auch wieder an die Millionen-Einnahmen für das Geburtstags-Lied.

VG Klagia

Meldung aus der 'Huch?'-Ecke: Die VG Media klagt. Mal wieder. Aber ausnahmshalber mal nicht gegen Google, weil die Firma nicht dafür zahlt, Werbebegucker bei den mafiösen Malwareverteilern mit pseudojournalistischem Beiwerk vorbeizuschicken. Sondern dieses Mal klagt die Mafia dagegen, dass ihr beschieden wurde, sie dürfe Google keine Gratislizenz einräumen. Zumindest nicht, solange andere Suchmaschinenbetreiber noch zu Zahlungen aufgefordert werden. Und das ist der springende Punkt: Verwertungsgesellschaften sollen eigentlich Lizenznehmer alle gleich behandeln. Und das lässt der Mafia jetzt genau zwei Optionen: Entweder wird Google zur Zahlung aufgefordert, woraufhin Google kurzerhand die Webseiten der Verlage aus dem Angebot von mindestens Google News kickt und trotzdem nicht zahlt. Oder keine Suchmaschine muss zahlen. Womit das bescheuerte Lügenschutzgeld dann hoch öffentlich genau das wäre, was sich schon abgezeichnet hat: Gescheitert.

Kommission für Besonders Dämliche Ideen

Eine Meldung von Freitag, bei deren Überschrift mir schon unwohl wurde: Eine gewisse Bund-Länder-Kommission prüfe ein Verbot von Spamblockern. Weil, so lese ich da, durch die Ausblendung von bezahlter Malware ja Verlegern die Arbeit verunmöglicht würde. Das finde ich unter mehreren Gesichtspunkten mal eben kurz lustig: Erstmal gibt es ja nicht ein Monopol bei Methoden, wie Werbedreck ausgefiltert werden kann. Man kann technisch zum Beispiel die Domains besonders beliebter Malwareschleudern in seiner /etc/hosts Datei auf ungefährliche feste Adressen routen, und so verhindern, dass der Browser versehentlich die Schadware herunterlädt, ausführt und anzeigt. Dann gibt es, was hier vermutlich gemeint ist, Addons, die im Browser dafür sorgen, dass die Schadware nicht geladen wird, während der sogenannte content der Seite angezeigt wird. Oder im Falle von besonders freundlichen Verlegern eben auch nicht, weil die feststellen, dass man die Schadware nicht geladen hat, und dann die "Inhalte" auch nicht anzeigen wollen.

Warum reite ich die ganze Zeit so auf der Schadware rum? Nun, das ist der zweite Grund, warum ein Verbot der Selbstverteidigungstechniken putzig ist. Bekanntlich verteilen immer wieder Werbenetzwerke neben den nervigen, Bandbreite fressenden Filmchen, Bildern und Trackingdreck auch immer gerne Schadsoftware, die durch Sicherheitslöcher die Rechner der Besucher der Verlegerwebseiten übernimmt, und beliebige Straftaten (Computersabotage fällt mir spontan ein) begeht. Lustigerweise wollen die störer, also die Verlage, für den durch ihre Handlungen ermöglichten Schaden nicht haften. Und anders als bei der Abmahn-Mafia hat hier bisher kein Gericht die Störer zur Haftung herangezogen.

Und dann ist es mal Zeit für einen (wie üblich hinkenden) Vergleich: Ein Verbot von Werbeblockern in Anbetracht der Schadsoftware-Seuche wäre so, als würden Einbrecher erlobbyieren, dass Wohnungsschlösser verboten würden, weil sie sonst ja ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen könnten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass analog zu den Filesharing-Abmahn-Orgien sich auch Anwälte finden lassen, die die Verleger als Störer mit Abmahnungen bewerfen. Gegebenenfalls eben für jede verseuchte Anzeige einzeln. Und kostenpflichtig. Wetten, dass dann Verleger plötzlich doch Wege finden würden, schädlichen Werbedreck auszufiltern?

Spamtent

Mal wieder eine Wortmeldung der sogenannten Qualitätspresse: Vor dem Landgericht Köln argumentierte gerade erst der Verlag der Regierungspostille, dass einerseits der Werbeflächenverkäufer mit pseudo-journalistischem Beiwerk (wie durch einen Verlagsvertreter bereits vor einem Gericht vorgetragen) in einem Wettbewerbsverhältnis zur Werbeanzeigeverhinderungsfirma mit eigenwilligem Geschäftsmodell Eyo stünde, sondern auch, dass die Werbeanzeigen "Content" seien. Weil man ja durch sogenannten "Content" in Form von Werbung über Sonderangebote informiert würde. Was der Verlagsvertreter bestimmt nur vergessen hat zu erwähnen: Über welche Sonderangebote informiert Werbung, durch die ungeschützte Besucher der Werbseiten mit Malware wie Verschlüsselungstrojanern infiziert werden? Und wenn das doch alles "Content" wäre, wann beliebt der Springer-Verlag dann mal für den durch ihn verbreiteten "Content" zu haften? Oh, das tut der Verlag noch nichtmal freiwillig bei dem Papiererzeugnis und dem pseudo-journalistischen Beiwerk?

Was ich bei den Behauptungen der Aufmerksamkeitsverkäufer immer wieder auffällig finde: Solange es darum geht, dass sie durch eine Aktion Geld bekommen können, ist der ganze Werbedreck unteilbarer Inhalt, aber wenn es um Haftungsfragen geht, hatte man noch nie irgend einen Einfluss auf die Malwerb. Sorry, Geld gibt's aber nur für Haftung. Und gegen Adblocker rumpöbeln gibt es auch nur, wenn ihr Verleger für alles haftet, was über eure Werbseiten verbreitet wird.

VG Worteil

Spannendes Urteil von Donnerstag: Der Bundesgerichtshof hatte die Frage zu klären, ob VG Wort, die Pauschalvergütungsorganisation für Verwertungsrechte an Texten eigentlich pauschal die Hälfte ihrer Zahlungen an Verlage ausschütten darf. Geklagt hatte ein Autor, der seine Verwertungsrechte gerade nicht einem Verlag verkauft hatte, und den entsprechenden Anteil der Zahlungen der VG Wort ausbezahlt bekommen wollte. Urteilt der BGH: Der Autor hat Recht, nachdem der Verlag keine Rechte an seinen Texten gegenüber VG Wort geltend machen kann, hat VG Wort dem Verlag auch nicht das dem Rechteinhaber zustehende Geld an den Verlag zu geben. Das Urteil war so nun wirklich vorhersehbar, weshalb bei der Verwertungsgesellschaft wohl auch schon Geld reserviert worden war, für die nun höchstrichterlich bestätigten Ansprüche. Wer, ebenfalls wie erwartet, jetzt rumheult: Die Buchverlage. Die meinen, dass die relevanten Gesetze geändert werden müssten, damit ihnen Rechte, die sie nie bezahlt haben, gefälligst doch zustehen mögen. Lustigerweise fehlt da jetzt das "denkt doch an die Künstler!!!1111"-Scheinargument. Sollte da vielleicht auch den Verlegern aufgefallen sein, dass sie gerade das Geld der Autoren verlangen? Dass also jemand, der "an die Künstler" denkt gerade keine Gesetzesänderung braucht? Oh, was mir noch nicht begegnet ist: Wie lange Verleger eigentlich Geld eingesteckt haben, für das sie nie die Rechte erworben haben. Wilde Mutmaßung: Die Anzahl Jahre könnte locker zweistellig sein.

StörGH

Mal zur Abwechslung eine Meldung von einem Gericht: Und zwar hat gestern der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof veröffentlicht, wie aus dessen Sicht das Gericht entscheiden möge in der Frage, ob ein Anbieter eines kostenfreien WLANs haftet, wenn Urheberrechteverwerter die unerlaubte Nutzung von ihnen verwerteter "Kultur" geltend machen. Hier meint der Generalanwalt, dass die Verwerter einerseits Ansprüche geltend machen können, andererseits aber auch zwischen Kosten und Nutzen für die Gesellschaft abgewogen werden müsste. Oder anders ausgedrückt: Wenn das Gericht der ansicht des Generalanwalts folgt, wie es das meistens tut, könnte die deutsche Störerhaftung mindestens eingeschränkt werden.

Ich rechne prophylaktisch schon mal mit Geheul der Urheberverwertungsindustrie, die sich doch gerade erst das WLAN-Abschaffungsgesetz gekauft hat, was mit solch einem Urteil direkt hinfällig wäre.

mafiöses Kleingeld

Eine Meldung aus der Mafia: Die Copyfälscher von Warner Music bieten an, dass sie ein Almosen zahlen für ihre illegale Anmaßung, dass sie in den letzten fast 100 Jahren die Rechte an Happy Birthday vertreten hätten. Konkret bieten die Raubmordkopierrechteverwerter von Warner an, dass sie 14 Milliönchen Dollar zahlen wollen, was den unrechtmäßigen Einnahmen von etwa sieben Jahren entspricht. Unverzinst, versteht sich. Das halte ich persöhnlich ja für eine reichlich dünne Summe, denn da fehlen noch ein paar Jahrzehnte an Abzocke, zusammen mit eienr Strafe, die die Content-MAfia umgekehrt ja von jedem kleinen Raubmordkopier-Terroristen verlangt. Gemäß der branchenüblichen Berechnungsmethode (Schadenssumme wird per Festlegung ermittelt, dann verdreifacht wegen illegal, und dann mit einer ungefähren Häufigkeit multipliziert) komme ich auf eine Summe von 14 Trilliarden. Zahlbar sofort ohne Abzüge, und die Geldeintreiber bedienen sich dann nicht nur am Firmenvermögen, sondern den Privatvermögen sämtlicher Vorstände sämtlicher Vorstände seit angeblichem Erwerb der Rechte in den 1930ern. 

Schadtube

Erinnert ihr euch noch, wie vor zwei Jahren eine Abmahnwelle lief, bei der Personen dafür abgemahnt wurden, dass sie bei RedTube angeblich illegal Streams geschaut hätten? Die Abmahnungen waren ja reichlich dünn begründet, weil sich Streaming von außen schwer bis gar nicht nachweisen lässt. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die Richter in Köln zu Unrecht die Herausgabe der Anschlussinhaber hinter einer ziemlich langen Liste an IP-Adressen abgenickt hatten (weswegen der Richtervorbehalt bei mir gerne Redtubevorbehalt genannt wird). Nun, der frühere Anwalt der Kanzlei Urmann + Collegen hat sich jetzt nach seiner Entlassung als Anwalt noch ein Urteil eingefangen, wo er für den von ihm verursachten Schaden haftet, denn die Abmahnungen, die ja in die tausende gingen, seien eine vorsätzliche unerlaubte Handlung gewesen. Ich hoffe mal für den Herrn Collegen^WUrmann, dass er, anders als bei der Wurstfirma, deren Insolvenz er verschleppt hat, hier genug Geld parat hat, oder eine wirklich gute Versicherung. In dem Fall könnte er den Vertrag aber beizeiten los sein, denn der Schaden dürfte sich eher nicht so knapp halten. (Lawblog und Internet-Law berichten)

Was mir ja bei der ganzen Geschichte auffällt: Die Behauptungen der angeblichen Urheberrechtsverletzungen waren sehr schnell in der Welt, die Abmahnungen dazu auch. Den ganzen Mist wieder einzufangen dauert aber auffallend lange. Immerhin ist die Abmahnerei gerade bummelig zwei Jahre her. Mal ganz davon abgesehen, dass da neben Urmel mindestens ein weiterer Anwalt beteiligt war, der weniger breit in den Medien aufgetaucht ist, und seine Anwaltszulassung vermutlich sogar noch hat. Raubmordkopierabmahnerei scheint kein ganz unlukratives Geschäft zu sein, wenn man es nicht absurd übertreibt.

BDright

Erbauliche Meldung aus USA. Da gab es ein Gerichtsverfahren, weil der Musikkonzern Warner behauptet, Rechte an dem überaus anspruchsvollen Musikstück 'Happy Birthday to you' zu halten, was ein Filmemacher bestritten hat. Konkret geht es bei der Behauptung von Warner nicht um die Melodie, die bereits im Jahre 1893 erstmalig dokumentiert wurde, da aber noch zu einem anderen Text ('Good Morning to you'). Daran sind bereits sämtliche Verwertungsrechte erloschen. Vielmehr ging es um den überaus anspruchsvollen und komplexen Text des Liedes. Der wurde irgendwann in der Zeit vor 1935 in mühevoller Kleinarbeit auf achtzig Datenträgern - ach nein, das war etwas anderes... Jedenfalls von zwei Frauen gemeinsam erstellt. Deren biologische und juristische Nachfahren sollten die rechte an Lied und Text an die juristischen Vorfahren von Warner verkauft haben.

Nun zum Gerichtsverfahren. Da war vor kurzem ein Buch aufgetaucht, in dem Melodie und Text gemeinsam abgebildet waren, was bereits im Jahre 1922 erstmalig erschienen ist, wobei in einer Attribution darauf verwiesen wurde, dass der Abdruck mit Genehmigung einer Firma Summy erfolgt sei. Der damals verpflichtende Hinweis auf eventuelle Schutzrechte war dabei aber nicht angegeben. Im Verfahren spielte dieses Buch nun aber keine so zentrale Rolle, der Richter hat sich vielmehr an die insgesamt drei Verträge zwischen den Kleinkünstlern und den Rechteverwertern orientiert, und kam dabei zu dem Schluss, dass keiner der Verträge nachweislich die Rechte am Liedtext betroffen hätte. Damit war dann auch die Frage unwischtig, ob in den 1930ern ein 1922 bereits rechtfrei abgedrucktes Lied noch irgendwelche Schutzrechte genießen könnte. Anders als heute war damals in USA die Schutzfrist auf "geistiges Eigentum" noch deutlich begrenzt.

Ergebnis der richterlichen Untersuchung in erster Instanz: Warner konnte nicht beweisen, überhaupt jemals die Verwertungsrechte am Liedtext erworben zu haben. Damit dürfte Warner auch keinen Anspruch auf die jährlich bummelig 2 Mio Dollar haben, die der Konzern mit einem ziemlich alten Stück Musik inklusive trivialem Text bisher pro Jahr eingenommen hat. Das Urteil ist allerdings noch nicht zwingend rechtskräftig, wahrscheinlich klagt Warner sich noch durch die Instanzen, um auch in Zukunft aufwandsfreien Wohlstand genießen zu können.

Lügenschutzanwendbar

Nach den ganzen Kriegsmeldungen zu Griechenland eine erfreuliche Botschaft aus der EU: Das Lügenschutzgeld ist gar nicht anwendbar. Das meldet die EU-Abgeordnete Julia Reda, die nicht nur berichtet, dass die EU über das Gesetz hätte notifiziert werden müssen, sondern auch zeigt, dass die schwarz-gelbe Regierung das wusste und bewusst ignoriert hat. Rein rechtlich darf Deutschland das Gesetz so nicht anwenden, mir ist nur nicht klar, was das konkret bedeutet. Im einfachsten Fall dürfte ein vor Gericht gezerrter Betreiber eienr Suchmaschine darauf hinweisen, dass das Gesetz gemäß EU-Recht ungültig ist, und die Nummer wäre gegessen. Im schlimmsten Fall müsste die EU-Kommission ihre schwerfällige Bürokratie in Bewegung setzen, um erst ein Vertragsverletzungsverfahren anzustrengen, was dann Jahre später auf Deutschland wirken könnte.

Davon mal ganz abgesehen, wirkt das Gesetz ja ohnehin nicht, hat doch die VG Media im Auftrag der von ihr vertretenen Verlage Google die berühmte "widerrufliche Gratiseinwilligung" gewährt, nachdem ausgerechnet die Suchmaschine, die am meisten betroffen sein sollte, von dem Gesetz ohnehin nicht betroffen wäre. Da wundert mich nur, dass keine anderen Suschmaschinen-Betreiber gegen den Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung der VG Mafia vorgegangen sind.

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