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Insigde

Meldung aus der 'das kam nicht überraschend'-Ecke: Kurz vor Weihnachten hat NASA gemeldet, dass der Mars-Lander Insight schon mehrere Tage nicht mehr auf Funkkontakte reagiert habe, und die Mission wohl beendet wäre. Insight war damit rund vier Jahre aktiv auf dem Mars, hat von seinen Missionszielen leider nicht alle erreicht, aber immerhin reichlich seismische Messdaten egliefert. Die Temperatursonde HP3, die sich eigentlich in den Marsboden eingraben sollte, hat das nicht geschafft, und entsprechend auch nie sinnvolle Daten übermittelt. Das Missionsende kam nun deswegen, weil die Solarpanels immer mehr von Marsstaub bedeckt wurden, und eben nicht mehr genug Energie liefern konnten, um alle Systeme des Landers zu betreiben. Das hatte NASA schon vor Monaten angekündigt, insofern hielt sich die Überraschung sehr in Grenzen.

Sojuleck

Meldung aus der 'Ohoh'-Ecke: An der ISS sind aktuell zwei Personen-Transporter angedockt. Eine Dragon-Kapsel von SpaceX und eine Sojus MS-22 vom russischen Raumfahrt-Betreiber. Bei der Sojus ist es kürzlich zu einem Problem gekommen, als eigentlich gerade zwei Russen außerhalb der ISS arbeiten wollten, und zwar ist wohl das gesamte Kühlmittel der Sojus ausgetreten. Das erste Problem an der Stelle: Es war nicht schnell ersichtlich, wo die Sojus undicht geworden war. Dann ließ sich das Leck auch nicht verschließen, so dass eben das gesamte Kühlmittel entkommen ist. In der Folge fehlt nun Kühlung für Computer in der Kapsel.

Immerhin konnte in den Tagen danach bei Untersuchungen ein Leck gefunden werden, was vermutlich von Mikrometeoriten erzeugt wurde. Es ist mit 0,8mm Durchmesser eher klein, was bei der Auswirkung trotzdem nicht akut geholfen hat. Zum Zeitpunkt, da ich das hier schreibe, ist noch nicht veröffentlicht, ob der Schaden an der Sojus als Problem für deren geplante Landung in einigen Monaten angesehen wird (und falls ja: welche Maßnahmen sich dann daraus ergeben), oder ob die Kapsel gegebenenfalls ohne Computer-Unterstützung gelandet werden soll. Akute Gefahr für die Besatzung besteht aber wohl nicht, das ist schon absehbar.

Arteminde

Meldung aus der 'alles andere wäre blöd'-Ecke: Am 11.12. ist planmäßig die Mission Artmis 1 mit der Wasserung der Orion-Kapsel geendet. Insgesamt gab es wohl ein paar kleinere Anomalien bei der Mission, aber keine gigantischen Probleme. Allerdings wird es nun bummelig zwei Jahre dauern, bis die nächste Mission fliegen wird, dann auch mit Personen in der Kapsel. 

Artemis endlich gestartet

Eine Meldung, auf die ich lange gewartet habe: am 16.11. ist endlich die Mission Artemis 1 gestartet, mit der das Space Launch System (basiert auf Grundlagen, die noch vom Shuttle übrig waren) erstmal ohne Besatzung in den Erd-Orbit und später in eine Umlaufbahn um den Mond fliegen soll. Ursprünglich war das alles schon für 2017 geplant gewesen, aber es gab immer noch einige Verzögerungen, so dass erst dieses Jahr die Rakete versucht wurde zu starten. Im dritten Anlauf hat das dann endlich geklappt. 

DART

Neues aus dem All: In der Nacht zum 27.9. ist die NASA-Sonde DART (was abgekürzt ist fü Double Asteroid Redirection Test) planmäßig mit einem im All rumfliegenden Gestein kollidiert. Das Gestein befindet sich in einer Umlaufbahn um ein größeres Stück Stein, und die Idee hinter der Mission ist, dass man aus der Änderung der Flugbahn des kleineren Steins Schlussfolgerungen ziehen kann, die auch helfen könnten, wenn ein hinreichend großes Stück Stein mal von seinem Kurs abgebracht werden müsste (zum Beispiel, weil das Gestein die Erde erreichen würde). Klar, kann man die physikalischen Grundlagen (Impulserhaltung) rechnerisch vorhersagen, aber nachdem noch nicht ausprobiert worden war, wie sich so ein im All rumfliegendes Material wirklich verhält, ist so ein Test auf jeden Fall eine Prüfung wert. wäre das Ziel zum Beispiel ein Haufen, nur locker zusammenklumpender Steine, dürfte eine Sonde beim Einschlag eine größere Menge Material davon absprengen, ohne die Flugbahn ansonsten großartig zu ändern. Dumemrweise weiß man erst, wie so ein Asteroid aussieht, wenn man eine Sonde nah genug heranfliegt. Und DART hat sein Ziel erst wenige Minuten vor dem Einschlag auf den live übertragenen Aufnahmen gesehen.

SLScrub

Unterraschung vom 29: NASAs neueste Rakete Space Launch System (SLS) hat sich daran orientiert, wo vor über zehn Jahren der Vorgänger Space Transportation System aufgehört hat, und den ersten Startversuch nicht erfolgreich fertiggestellt. Wobei für Probleme beim Wetter das eigentliche Flugobjekt weniger kann, für ein nicht nominal reagierendes Ventil in den Innereien eines Triebwerks aber schon. Und so bleiben zwei Startfenster für Artemis I, bevor größere Arbeiten vor einem weiteren Versuch stehen.

Gewebbt

Und dann war am 11. Juli spät abends (MESZ) der Zeitpunkt gekommen, wo das Space Telescope Science Institute genug Teaser fallen gelassen hatte und mit dem amtierenden Präsidenten der UsA das erste fertige Bild des neuen JWST veröffentlicht hat. Das Bild ist ein bisher nicht erreichter Blick in die Tiefe (und damit Vergangenheit) des sichtbaren Universums, aus dem man erahnen kann, wie viel mehr als die bisherigen Instrumente JWST messen können wird. Ja, die Lichter mit sechs Ausläuferrn sind wohl Sterne, alles andere sind Galaxien. Und diejenigen, die komisch verformt sind, dürften nicht wirklich so aussehen, sondern zwischen denen und uns sind schwere Objekte, die als Gravitationslinse die Lichtstrahlen abgelenkt haben. Ich rate mal: schon daraus dürften sich Positionen von nicht abgebildeten, schweren Objekten ableiten lassen. Für den Anfang ist das schon mal ganz gut. 

Starlaterflug

Das NASA-Programm für kommerzielle Besatzungsflüge zur ISS besteht eigentlich nicht nur aus der Firma SpaceX, die inzwischen vier reguläre Besatzungen zur ISS gebracht hat. Es gibt da noch ein junges Startup in der Flug- und Raumfahrtbranche namens Boeing, was sich da einen Namen zu machen versucht. Nun ist auch dieser kleinen Unternehmung gelungen eine mit Menschen besetzbare Raumkapsel zur Internationalen Raumstation zu bringen.

Aber mal im Ernst: Der Starliner, der in seinem ersten Test nicht mal den gewünschen Orbit erreicht hatte, dann einen Startversuch wegen der Tatsache absagen musste, dass ja niemand wissen konnte, dass es in Florida vereinzelt feuchte Luft geben kann, der hat nun also immerhin einen Flug zur ISS geschafft. Dass dabei schon wieder Probleme mit Triebwerken aufgetreten sind, hat immerhin die Mission nicht gefährdet, dürfte aber keine Pluspunkte bringen. Damit ist Boeing jetzt an dem Punkt, wo SpaceX mit dem Flug Demo-1 im März 2019 war. Wenn die Kapsel erfolgreich landet (ja, auf Land), wird sie noch untersucht werden, und was auch immer da rauskommt zu Folgen führen, bevor dann eine erste Testbesatzung zur ISS geschickt werden dürfte. Dafür, dass Boeing das ach so erfahrene Unternehmen mit der jahrzehntelangen Kultur der Sicherheit wäre, ist das alles schon reichlich peinlich. Das waren aber auch die 737-Max-Flieger und ihre MCAS-Systeme, die Flugzeuge beim Start in den Boden rammen wollten. Vor die Wahl gestellt, ob man mit Starliner oder Dragon fliegen wollte, würde ich im Moment den Dragon empfehlen.

Zweites Schwarzlochbild

Meldung aus der 'sowas in der Art hatten wir schon mal'-Ecke: Die Wissenschaftskollaboration Event Horizon Telescope, die Daten vieler Radioteleskope miteinander verbindet, hat am 12. Mai die zweite große Veröffentlichung rausgebracht: Ein Bild des Schwarzen Loches aus der Mitte einer Galaxie. Der Unterschied zum letzten Bild: Diese Galaxie bewohnen wir.

Dass ein Bild von eben diesem Schwarzen Loch noch kommen könnte, war schon bei der Veröffentlichung des ersten Bildes klar, ein Teil der Verzögerung hatte mit Corona zu tun, was einige reisen verhindert hatte. Und auf den Daten für dieses Bild musste man mehr rumrechnen, weil das Schwarze Loch weniger still hält (oder ich verstehe da irgendwas miss, die Veröffentlichung ist gerade gewesen, währendich das hier schreibe). Jedenfalls war die ohnehin schwierige Aufgabe nochmal schwerer in den letzten Jahren.

Oberflächlich ähneln sich die Bilder der beiden galaktischen Schwarzen Löcher, in den Details gibt es eine Reihe Unterschiede, wobei mir nicht klar ist, was davon echte Unterschiede der Schwarzen Löcher sind, und wo Artefakte oder Störungen reinspielen. Zwischen uns und Saggitarius A*, wie 'unser' Schwarzes Loch ja genannt wird, sind ein paar Objekte, die Messungen erschweren weshalb das ja auch nicht das erste veröffentlichte Bild geworden ist. Auf jeden Fall ist damit wieder ein Topf an Forschungsdaten verfügbar geworden, aus dem sich noch einiges Wissen ziehen lassen dürfte. Und vielleicht kann man auch noch an der Technik etwas verbessern, um auch weniger groß wirkende Objekte auflösen zu können. Oder, und das ist wohl schon in Vorbereitung, es lassen sich mehrere Bilder nacheinander erfassen, so dass auch Bewegungen sichtbar werden können. Die Möglichkeiten sind da ziemlich vielfältig. Mal sehen, was noch kommt aus der Richtung.

NotsoWetDressRehearsal

Eigentlich wollte NASA Anfang April mal für einen Test die tolle neue, aber auf etablierten (Shuttle-) Komponenten basierende SLS-Rakete testweise betanken und den Coutdown bis kurz vor der Zündung der Triebwerke durchtesten. Aber dabei gab es eine Reihe Probleme. Irgendwo war ein Ventil geschlossen und ließ sich nicht automatisch öffnen, woanders war irgendwas anderes schief, und im dritten Versuch, bei dem die Oberstufe oihnehin schon nicht mehr betankt werden sollte, ist auch noch ein Leck aufgetaucht, was da nicht hätte sein sollen. Zwischenergebnis: Kein erfolgreicher Test, die Rakete kommt zurück ins Vehicle Assembly Building, die kaputten Teile werden ausgetauscht, und der ganze Schmonz darf dann nochmal wiederholt werden.

Die Brgründung für SLS war ja damals am Ende der Shuttles, dass man da gerade nicht komplett neu entwickelt, sondern eben Teile vom Shuttle weiternutzt. So richtig erfolgreich kommt das aber alles gerade nicht rüber. Eher zu teuer, zu langsam und dank Konkurrenz wie eben SpaceX auch nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

JWSCalib

Und dann war da noch dieses eine Weltraumteleskop da, was seine 18 Segmente des primären Spiegels noch kalibrieren musste. Das ist dann mal abgeschlossen und es gibt ein erstes Bild eines Sterns. Aus einem NASA-Video zu dem Anlass habe ich noch mitgenommen, dass die nächsten Schritte darin bestünden, bei den drei anderen Instrumenten zu überprüfen, ob deren Messungen auch schon bis an die physikalisch möglichen Begrenzungen reichen, und gegebenenfalls noch leicht nachzujustieren. Nachdem es noch nicht Mitte des Jahres ist, die ersten 'echten' Messungen aber erst für die Zeit angekündigt sind, fehlt danach vermutlich noch irgendwas längliches, ich habe nur keine spontane Idee, was das sein könnte.

Mooncrash

Zur Abwechlung gibt es mal eine Meldung nicht aus der Tagespolitik: Und zwar wurde vor einiger Zeit bekannt, dass eine Rakete, die vor Jahren gestartet wurde, in Richtung Mond fliegt, und da im März einschlagen soll. Die Frage, was das für eine Rakete sein könnte, wurde schnell darauf eingedampft, dass das ja nur das Böse SpaceX sein könne. Aber eine genauere Analyse ergab, dass die SpaceX-Oberstufe, die dafür in Frage käme, ihren Satelliten gar nicht so abgesetzt hat, dass sie sich auf ihrer Flugbahn mit dem Mond treffen würde. Es wäre eher eine chinesische Oberstufe, die da in Frage käme. Am Ende dürfte es nicht besonders viel Unterschied machen, ob eine Raketenstufe von SpaceX oder vom chinesischen Programm auf den Mond trifft, das gibt nen kleinen Krater, und mehr dürfte kaum passieren. Und vielleicht lässt sich da noch bisschen was an Wissenschaft machen. Immerhin hat auch die NASA schon Raketen auf den Mond geschossen, um dann aus dem aufgewirbelten Material Informationen zu erlangen.

JWSlängerung

Kaum war JWST gestartet, gab es haufenweise gute Nachrichten. So auch hier: Die Verantwortlichen für das Teleskop haben die Treibstoffvorräte nochmal nachgerechnet und vermuten inzwischen, dass das Gerät damit rund 20 Jahre nutzbar sein sollte. Das wäre dann bummelig doppelt so lange wie bis dahin kommuniziert worden ist. Allerdings hat in einem anderen Kontext ein NASA-Vertreter eingeräumt, dass man damit rechnet, dass das Teleskop von Gestein getroffe werden dürfte, was so durch das All fliegt. Das lässt sich aber nicht mal annähernd vorraussagen.

In der Zwischenzeit hat der Origami-artig verpackte Satellit erst die Hitzeschutzschicht auseinandergefaltet, dann den kleinen Sekundärspiegel platziert und in zwei großen Schritten den Primärspiegel entfaltet. Noch offen sind der Flug zur Zielposition beim L2-Punkt, sowie die längliche Kalibrierung der Einzelspiegel, und die weitere Abkühlung der Infrarot-Messinstrumente, von denen mindestens eins auch noch aktiv gekühlt werden muss für die eigentliche Mission.

JWSTreibstoff

Meldung aus der "ach, das gibt's auch?"-Ecke: Beim Start vom James-Webb-Space-Teleskop ist so viel richtig gelaufen, dass das Teleskop weniger von seinem eigenen Treibstoff nutzen musste, um auf den Kurs zu seinem Ziel zu gelangen. Damit steht dann der Treibstoff für mehr Betriebszeit des Instruments zur Verfügung. Bisher gab es damit seit dem erfolgreichen Start nur positive Nachrichten zu dem Gerät, was ja vor seinem Start geradezu berühmt war für unerfreuliche Meldungen.

JWST-Yeet

Eine Meldung, auf die ich im Jahresrückblick lieber nicht gewartet habe: Am 25. Dezember ist das Just Wait Space Telescope nach nur mehreren Jahren Wartezeit endlich erfolgreich ins All gestartet. Dabei ist auch nichts unerwartetes passiert. Seitdem bewegt das Gerät sich in Richtung des Lagrange-Punktes L2, der von der Sonne aus genau hinter der Erde liegt, muss sich über einen Monat lang schrittweise entfalten und aktivieren. Eine lange und komplizierte Aktion. Aber der Start hat immerhin schon mal geklappt. Yeet!